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Alexander Fiseisky am 11. September 2005:
Die Reihe der Kirchenkonzerte in St. Remigius wurde nach der Sommerpause fortgesetzt. Eine treue Stammhörerschaft hörte den renommierten Organisten Alexander Fiseisky aus Moskau.
Von SABINE ZELLER
VIERSEN. Für Viersener Orgelfreunde mit langem Gedächtnis ist der Moskauer Organist Alexander Fiseisky kein Unbekannter. Vor zehn Jahren gab der international renommierte Musiker schon einmal ein Konzert am selben Ort. Diesmal brachte er ein Programm mit, das vom Orgelevangelisten Johann Sebastian Bach über dessen Apostel Felix Mendelssohn-Bartholdy und Wladimir F. Odojewskij bis zum romantischen Prediger César Franck reichte, dessen “Grande Pièce symphonique” den Höhepunkt dieser Klangrhetorik bilden sollte.
Vor dem ersten Ton erfuhr das Publikum, daß Alexander Fiseisky an Stelle des großen sinfonischen Stücks Francks Fantasie A-Dur und Bachs Praeludium und Fuge e-Moll BWV 548 spielen würde. Nach kurzer Enttäuschung (die Woehl-Orgel ist in der Tradition großer französischer Instrumente mensuriert) schien dieser Tausch eher Vorteile zu bieten. Franck war ja nicht gänzlich verloren und eines der schönsten Werke der Orgelliteratur gewonnen. Auch der Aufbau von Klang und Spannung würde dadurch nicht leiden, fordert doch Bach vom Organisten in der großen konzertierenden Form, die sich hinter dem strengen Etikett “Praeludium und Fuge” verbirgt, seine ganze musikalische Kenntnis und Einfühlungskraft von den Brandenburgischen Konzerten bis zur Matthäus-Passion. Fiseisky ging mit “Toccata, Adagio und Fuge C-Dur” (BWV 564) behutsam um. Die bizarren Tonfolgen der Toccata hielt er auch in der gewaltigen Pedalpassage in natürlichem Fluss, im Adagio hob er die Stimmen weich voneinander ab, ließ sie sanft auf ihrem punktierten Rhythmus schwingen und über einen langen Triller ein harmonisch höchst unsicheres Terrain betreten, um mit Beginn der Fuge den Fuß wieder auf festen Boden zu setzen, aber den Kopf in die Wolken zu heben. Bei Mendelssohns Sonate B-Dur op. 65,4 setzte Fiseisky zwischen die Ecksätze im vollen Werk ein schlichtes Andante religioso und ein dezent verspieltes Allegretto in klangliche Grundfarben, die er in Odojwskijs inbrünstigem “Gebet ohne Worte” nur Ton in Ton ergänzte. So wirkten die näselnden, grummelnden Register umso schöner in Francks groß angelegter Fantasie.
Von der gregorianischen Strenge des Beginns über Variationen des lyrischen Themas und einen majestätischen Choral wusste Fiseisky bis in das sich selbst auflösende Ende die Spannung zu halten. Und dann der große Bach in unerbittlich scharfem Forte, unnachgiebig hohem Tempo, ohne lebendigen Atem. Warum? Die Frage hallte noch lange nach.
Rheinische Post vom 14. September 2005.
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