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Michael Hoppe am 26. November 2006:
VON SABINE ZELLER
Viersen. Das letzte Saisonkonzert in der Reihe “Kirchenmusik an St. Remigius” lag in den Händen von Professor Michael Hoppe aus Aachen. Kantor Thorsten Konigorski dankte dem Referenten für Kirchenmusik, dass er mit einem Programm “wie maßgeschneidert für unser Instrument” diesen Beitrag leistete.
Die reichhaltige Palette der Farben und Stimmungen schöpfte Hoppe insgesamt nicht ganz so natürlich elegant und nobel aus, wie man es von ihm kennt. Am Anfang stand artfremd vor lauter Franzosen Bachs “Präludium und Fuge Es-Dur” (BWV 552). Hoppe zeigte teilweise fast swingend die Seele des gattungskrönenden Werkes, weniger hingegen dessen grandiose Architektur. Zudem störte im Präludium dröhnende Pedalregistrierung. Hinter der scheinbaren Naivität der “Berceuse” (Wiegenlied) aus op. 31 von Charles Marie Widors Schüler Louis Vierne ließ sich durch Hoppes Gestaltung die glücklich endende Vision des Lebens mit seinen Wecheslfällen erkennen. Als Sausegeläut fegte die Fuge über das Glockenthema der Kathedrale von Soissons, op. 12 von Maurice Duruflé daher. Eine “Berceuse à la mémoire de Louis Vierne” von Pierre Cocherau konnte auch als eine Hommage Hoppes an den großen Improvisator verstanden werden. Das Hauptwerk war die komplette fünfsätzige Symphonie Nr. 6 in g-Moll (aus op. 42) von Widor, des Schöpfers der Orgelsymphonik. Aus der Tiefe des Raums begann Hoppe volltönend den rhythmisch markanten Kopfsatz, dessen charakterlich und formal widerstreitende Themen er deutlich differenzierte. in einem mixturenbissigen Überschwang wurden sie zusammengeführt, der die flötende, dennoch in sich befremdlich unruhige Lieblichkeit des “Adagio” steigerte. Das zwittrige, halb marsch- halb toccatenartige “Intermezzo” machte Hoppe zu einem mitreißenden Rondotaumel, das “Cantabile” ließ er unsentimental durch seine polyphone Klarheit wirken. Beim Getümmel des martialischen “Vivace” half auch ausgiebig schwellende Dynamik nicht gegen den Eindruck pompöser Langeweile. Seine eigene Improvisation über das “Te Deum” entwickelte Hoppe stringent über den Impuls von zwei tiefen Pedalerschütterungen. Das Thema verarbeitete er nach und nach in düsteren synkopischen Tongeweben und substanzauflösenden Repetitionsfiguren, bevor er die Elemente in mixturalem Glanz zusammenführte und Trompeten Gottes Lob schmetterten.
Rheinische Post vom 29. November 2006.
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