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Schützkonzert am 29. April 2005:
Von ANGELA WILMS-ADRIANS
VIERSEN. In der Zeit der Nachreformation, als die Art des Glaubensbekenntnis noch eine Bedrohung für Leib und Leben bedeuten konnte, fiel die Gründung der evangelischen Kirchengemeinde Viersen. Um so mehr freute sich Pfarrer Günther Boblitz über den “ökumenischen Schulterschluss”, mit dem die evangelische Kantorei ihr Festkonzert gemeinsam mit dem katholischen Kirchenchor “Cäcilia” von St. Remigius in der Kreuzkirche feierte. Eingebettet in die einwöchigen Feiern zum 300-jährigen Bestehen setzte das Konzert auf den Kontrast der Musik von Schütz und Bach zur Moderne. Musikalische Auseinandersetzungen mit dem Thema des “Te Deum” rahmten das gut einstündige Konzert ein. So war es nur konsequent, dass die beiden Chöre trotz anhaltenden, stehenden Beifall auf eine Zugabe verzichteten.
Im eigenen Wirkungskreis trug Daniel Plöhn die Gesamtleitung und dirirgierte, während Thorsten Konigorski von St. Remigius das Konzert mit seinem Orgelspiel bereicherte. Im markant mahnenden Ton nahm er Jeanne Demessieux’ “Te Deum” auf. Verhaltene Partien durchbrachen lebendig das energische Spiel. Im kraftvollen Ausdruck intonierte der Organist Bachs “Fantasie und Fuge g-Moll” und fügte spannungsreich schlichte Piano-Passagen ein. Zielstrebig führte er das Thema der Fuge ein, um deren Gefüge in klarer Sprache durchzuführen.
Bachs Werk stand mächtig im Mittelpunkt des Abends, eingerahmt von Schütz Musik, auf die sich die Chöre an diesem Abend konzentrierten. Zur musikalischen Unterstützung waren Instrumentalisten des Sinfonischen Collegiums Essen angereist. Die evangelische Kantorei sowie die Cäcilianer wählten vier Motetten für jeweils zwei vierstimmige Chöre. Frontal zum Besucher und übereck stehend nutzten sie in ihren engagierten Beiträgen die unterschiedliche Raumwirkung der Akustik. Im froh stimmenden “Jauchzet dem Herren alle Welt” nahm der größere Teil des Chores die erste Motette auf. Das weiche Echo der kleineren Gruppe schien zudem durch deren Position gedämpft. Unter Daniel Plöhns Dirigat gelang wohl dosiert das Gegeneinander von Ruhe und Aufschwung. Zur fünfstimmigen Motette “Herr, auf dich traue ich” vereinigten sich beide Chöre geschlossen unter dem Kreuz.
Mit dem feierlich gemessenen “Magnificat” verabschiedeten sich Sängerinnen und Sänger von der Musik des 17. Jahrhunderts und wagten, unterstützt vom Orgelspiel, den Sprung in die Moderne. In lebendigen Wechsel gestaltete die Chorgemeinschaft mit Flor Peeters “Te Deum” einen Höhepunkt des Abends. In der breit angelegten Schlusswendung wurde das “in aeternum” (in Ewigkeit) kraftvoll herausgestellt.
Rheinische Post vom 04. Mai 2005.
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