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Paolo Oreni am 13. Mai 2007:
VIERSEN Paolo Oreni setzte bei der Konzertreihe in St. Remigius einen „weiteren internationalen Akzent“. Die Spielfreude des 1979 geborenen italienischen Organisten stand zum Glück in umgekehrt proportionalem Verhältnis zur Hörerzahl – am Muttertag hatten sich nur rund 25 Besucher eingefunden. Die aber erlebten ein Feuerwerk an spieltechnischer Brillanz. Das organistische Tun wurde per Kamera auch vor die Augen gestellt, sodass den Ohren der optische Beweis für manches unglaublich scheinende Kunststück geliefert wurde.
Oreni ist mit den Füßen flinker als manch Anderer mit den Händen. Er führte etwa Passagen für Doppelpedal gebunden aus oder schaffte es, lange Triller mit einem Fuß zu spielen, um mit dem anderen den Schweller zu bedienen. Seine Fingerfertigkeit auf den Manualen kennt keine Grenzen, sowohl geläufige als auch zupackende Virtuosität setzte Oreni makellos um. Zudem vollbrachte er eine große Gedächtnisleistung mit dem auswendigen Spiel seines Programms: Mozarts „Adagio und Fuge“ in c-moll (KV 546) und Liszts sinfonische Dichtung „Prometheus“ (beides in Orgelbearbeitungen von Jean Guillou), Bachs Toccata und Fuge in F-Dur (BWV 540), und den ersten Satz aus Widors Symphonie Nr. 5. Dabei zog Oreni zwangsläufig auch alle Register selbst, was musikalisch nicht immer die beste Lösung war. Besonders die Bachfuge, die er in romantisch wechselnden Farben ohnehin nicht sehr verständlich angelegt hatte, litt an den registrierbedingten Tempoverzögerungen. Mit seinen Interpretationen erwies sich der sympathische junge Musiker immer wieder neu als unbändig virtuoser Organist, aber nicht immer als dienstbarer „interprete“, also Übersetzer des jeweiligen Komponisten.
Orenis künstlerisches Potenzial kam in seiner eigenen „Symphonie Improvisée“ besser zur Geltung. In einem Rahmen französischer Stilistik und Klanglichkeit arbeitete er kunstvoll mit dem Material der zwei vorgegebenen Themen (die Marienlieder „Ave, maris stella“ und „Laßt uns erfreuen herzlich sehr“) und verband charakterlich kontrastierende Abschnitte mit wachem Sinn für Form und Übergänge. Zwei Zugaben (eigene Bearbeitungen von Vivaldi und Scarlatti) folgten an der italienisch geprägten Chororgel.
Rheinische Post vom 16. Mai 2007.
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