Startseite » Presse » Orgel und Piccoloflöte im konzertanten Dialog
Martin Hönig und Gudrun Hinze-Hönig
Von HEIDE OEHMEN
VIERSEN. Verwandtschaftliche Bande machten es möglich, dass die Piccoloflötistin des Gewandhausorchesters Leipzig in Viersen zu erleben war. Gudrun Hinze-Hönig ist die Schwägerin von Martin Hönig, dem Kantor von St. Josef und St. Helena in Viersen. Und so bestritt dieses schon häufig bewährte Duo das sehr gut besuchte “Orgel plus-Konzert” in der Pfarrkirche St. Remigius.
Die ersten beiden Werke des erlesenen Programms bestritten die Interpreten im Altarraum. Hönig begleitete an der feinsinnig intonierten Martin-Scholz-Orgel behände und anpassungsbereit. Wirkte auch bei der “Methodischen Sonate” G-Dur von Georg Philipp Telemann noch nicht jede schnelle Phrase ganz ausgewogen, so war sich das Duo bei Johann Sebastian Bach (Sonate e-Moll Nr.5) kompromisslos einig. Allein das kontemplativ ausgelotete Andante war eine Offenbarung. Gudrun Hinze-Hönig, die vielfach national wie international ausgezeichnet wurde und seit 1999 auch Mitglied des Bayreuther Festspielorchesters ist, beherrscht nicht nur die Piccoloflöte, sondern auch meisterlich die Querflöte. Selbst in Extremlagen ist ihr dynamisch, reich differenzierter Ton noch weich und biegsam. Er entwickelt sich quasi aus dem Nichts zu blühendem Klang. Ihre wache Musikalität teilt sie mit ihrem Schwager, so dass alle vorgestellten Werke gleichermaßen gefangen nahmen.
In streng chronologisch aufgebauter Folge machten die Musiker nach Barockem mit einer wunderschönen “Elegie für Flöte und Orgel” von Franz Lachner (1803-1890) bekannt. Für dieses sowie die spätromantischen und bis in die gemäßigte Moderne reichenden Tonschöpfungen bestiegen sie die Empore, um als geeigneteres Begleitinstrument die romantisch konzipierte Woehl-Orgel zur Verfügung zu haben. Der entlockte der Organist betörende Klangfarben. Solistisch glänzte Martin Hönig mit “Cantabile und Choral aus Opus 37” des Belgiers Joseph Jongen (18731953), einem hörenswerten, ein wenig zu lang geratenen Opus. Kostbares steuerte die Flötistin im “Mouvement” von Jean Langlais (1907-1991) und im “Stück für Flöte solo” von Jaques Ibert (1890-1962) bei.
Zum Abschluss widmeten sich die Musiker der ernsten Tonsprache des früh verstorbenen Jean Alain (1911-1940). In sorgsamer klanglicher Feinabstimmung und technisch makellos, erklangen “Aria” und “Trois Mouvements.” Reich war der Beifall am Ende des Konzertes, doch zu einer Zugabe ließen sich die Künstler nicht bewegen.
Rheinische Post vom 11. Oktober 2003.
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