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Zeger Vandersteene/Reinhold Richter
Von Angela Wilms-Adrians
VIERSEN Im großen Zeitbogen nahmen der Tenor Zeger Vandersteene aus Gent und der Rheindahlener Organist Reinhold Richter ihre Zuhörer vom gregorianischen Gesang bis ins 20. Jahrhundert mit. Dabei hatte das Marienlob im Wandel der Zeiten und Stile einen besonderen Stellenwert in ihrem Konzert in der Viersener Pfarrkirche St. Remigius.
Die beiden Musiker, die schon seit Jahren häufig zusammen arbeiten, verliehen dem Abend zunächst einen sehr intimen Charakter, der sich anfangs auf den Chorraum konzentrierte. Für das gregorianische Marienlied nutzte der Sänger – unsichtbar für die Besucher – die Akustik in der Nische des Seitenschiffs und stellte sich danach en face zu seinen Zuhörern. Reinhold Richter, bekannt für seine Fahrten mit Orgelfreunden zu Orgeln der Region, bespielte zunächst das kleine Instrument. Mit dem musikalischen Sprung ins 19. Jahrhundert wechselten die beiden ihren Standort zur Orgelempore und setzten damit auf eine wesentlich weiter gespannte Dynamik mit ausdruckstarken Steigerungen.
Zu Caccinis “Ave Maria” führte der Organist verhalten die Melodie ein, die Vandersteene weich aufgriff und fein im Ton schwingen ließ, um einen sanften Dialog mit dem Organisten zu entwickeln. Solistische Beiträge wurden behutsam miteinander verwoben. Zu Frobergers “Toccata” gestaltete Richter sein Spiel nur ein wenig markanter als in der Begleitung und wahrte in der Führung der Stimmen einen ausgeglichenen Charakter. Fast unauffällig stieg der Sänger, Professor an der Musikhochschule in Gent, zum Schlusston ein, um das nächste Lied aufzugreifen. Somit betonte er die Kontinuität des ersten Teils. Zu Grandis “O quam tu pulchra” gestaltete er bewegtere Passagen und stärkere Betonungen als zuvor, ließ den Klang zuweilen fast deklamatorisch aufblühen, aber auch hier herrschte noch eine gewisse Zurückhaltung.
Dies änderte sich nach Clerambauts hell durchwirkten Werken mit dem Wechsel zur großen Orgel. Zu den “Ave Marias” der drei Komponisten Saint-Saens, Verdi und Bruckner ließ Richter das Intrument wesentlich voller erklingen. Entsprechend kraftvoll setzte Zeger Vandersteene seine Stimme an. Verdis Bearbeitung des Themas ließ dessen Hang zur Oper spüren. Der Sänger legte italienisches Flair in seinen Beitrag, gestaltete das Finale als innige Bitte. In großzügiger Geste gestaltete Reinhold Richter Bartholdys Praeludium und Fuge. Das Duo beendete den Abend ausdrucksstark mit Haas “Gesängen an Gott” und verzichtet trotz des dankbaren Beifalls auf eine Zugabe.
Rheinische Post vom 18. Oktober 2005.
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