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Zu J.S. Bachs Matthäuspassion
VIERSEN (oehm) Fast hielten die Zuhörer in der lückenlos gefüllten Remigiuskirche den Atem an, als die Sopranistin Sabine Schneider mit makelloser Stimmschönheit und unaufgeregter, doch unter die Haut gehender Eindringlichkeit ihre Arie „Aus Liebe will mein Heiland sterben“ interpretierte. Hier wurde all‘ das zusammengefasst, was die Chorgemeinschaft – bestehend aus der Kurrende Viersen, der Evangelischen Kreuzkantorei (Einstudierung: Daniel Plöhn) sowie dem Kirchenchor Cäcilia an St. Remigius, Viersen – gemeinsam mit dem Sinfonischen Collegium Essen, dem Kinderchor an St. Ulrich, Dülken (Michael Decker), und den Solisten dem Publikum vermitteln wollten: Der Kreuzestod Jesu Christi ist eine unfassbare Liebestat.
Kantor Thorsten Konigorski bestand mit hellwacher Übersicht und präziser, elastischer Zeichengebung sein ehrgeiziges Projekt, einmal die „Matthäuspassion“ von Johann Sebastian Bach aufzuführen, bewundernswert. Er wusste über drei Stunden die Spannung zu halten, hätte jedoch bei den Chorälen die Tempi ein wenig mehr differenzieren können.
Die Chöre, die häufig in Chor eins und zwei geteilt oder bis zur Achtstimmigkeit gefordert sind, sangen intonationsrein, homogen, mit sauberer Diktion und prächtiger Klangentfaltung – von ein paar zaghaften Einsätzen abgesehen. Ein besonders Lob gilt dem Kinderchor, der sich mit vollem Einsatz erfolgreich gegen die Übermacht von Instrumentalisten und erwachsenen Vokalisten durchsetzte. Das in zwei Orchester geteilte Sinfonische Collegium erwies sich als kongenialer Partner, voller Einfühlsamkeit und spieltechnischer Güte. Hervorragende Solisten wie beispielsweise Claudia Hellbach, Oboe oder Stefanie Keus als kompetente Continuo Cellistin setzten zusätzliche Glanzlichter. Neben Sabine Schneider überzeugte unter den Solisten vor allem Volker Mertens mit edlem, wandlungsfähigem Bass. Louise Rijs gefiel besonders in der ergreifenden Alt-Arie „Erbarme Dich“, zu der die Violinistin Birgit Seibt Kostbares beisteuerte. Mario Hoff war ein würdevoller Jesus mit balsamischem Bass. Mark Heines sang mit imponierender Präsenz die Tenorarien, dagegen litt sein geschmackvoll gestalteter Evangelistenpart ein wenig unter seiner weit vom Publikum entfernten Positionierung.
Nicht enden wollender Beifall dankte allen Mitwirkenden für eine stimmungsvolle, das großartige Werk adäquat würdigende Aufführung.
Rheinische Post vom 19. April 2011
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