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Eröffnungskonzert 2008 am 24. August:
VIERSEN Mit Professor Leo Krämer hatte man für das jüngste Orgelkonzert in der Viersener Pfarrkirche St. Remigius Viersen einen bekannten Orgelvirtuosen verpflichten können. Doch einen Tag vor dem Konzert musste der Domorganist und Domkapellmeister am Speyrer Dom krankheitshalber absagen. Kantor Thorsten Konigorski War sehr glücklich, dass der in Viersen lebende Professor Stephan E. Wehr, ein ehemaliger Schüler Krämers, sich spontan bereit erklärte, den Konzerttermin zu retten – und das mit einem umfangreichen und anspruchsvollen Musikprogramm. So war auch die Enttäuschung, die manchen der in stattlicher Zahl erschienenen Besucher zunächst beschlichen haben mag, schnell verflogen.
Wehr eröffnete sein Konzert mit zwei Werken von Johann Sebastian Bach – Präludium und Fuge in e-Moll (BWV 548) und die 6. Triosonate G-Dur (BWV 530) – wobei der Kunstgriff, die Fuge erst nach der Triosonate zu spielen, vermutlich bei einigen Zuhörern Irritationen auslöste. Ebenfalls verwirrend und nicht angenehm anzuhören war die seltsame Registerwahl im 3. Satz (Allegro) der Triosonate. Dann überraschte der ehemals 1. Bundessieger in Orgelimprovisation beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ mit einer groß angelegten freien Improvisation über das Lied „Fest soll mein Taufbund immer stehen“ (Gotteslob 970). Hier gefielen vor allem die gut nachvollziehbare motivische Durcharbeitung und das reiche Klangspektrum, im Mittelteil entfernte sich Professor Wehr allerdings sehr weit von der Vorlage.
Bei Charles-Marie Widors (1844-1937) Symphonie für Orgel Nr.5 f-Moll zeigte sich wieder einmal, dass die Woehl-Orgel in der Pfarrkirche St. Remigius ihre Qualitäten bei romantischen und spätromantischen Kompositionen am überzeugendsten entfalten kann. Bezüglich der Registerwahl konnte der Interpret hier aus dem Vollen schöpfen, und darüber hinaus seine technische und interpretatorische Meisterschaft voll zur Geltung bringen – nicht zuletzt in der dieses Opus beschließenden. inzwischen allseits bekannten, hoch virtuosen „Toccata“.
Rheinische Post vom 26. August 2008.
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