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Viktor Scholz am 09. April 2006:
von Angela Wilms-Adrians
VIERSEN. Für seinen Auftritt in der Pfarrkirche St. Remigius hatte Viktor Scholz ein facettenreiches Programm ausgewählt. Sichtbar für seine Zuhörer eröffnete der weißhaarige Künstler das etwa 80-minütige Konzert an der Orgel im Chorraum. In der charakteristischen Gestaltung der vier Sätze aus Galuppis Sonate präsentierte er einen feinen Einstieg. Das Andante lud mit weichen Ausschmückungen zur Ruhe ein, der rasche zweite Satz strahlte eine frisch anmutende Leichtigkeit aus. Im subtilen Kontrast besaß das Largo eine sanfte Anmut, während das Werk im hell leuchtenden Gewand endete. Eine zweite Sonate mit überraschenden rhythmischen und melodischen Wendungen vertiefte die Bekanntschaft mit dem venezianischen Komponisten.
Danach bestieg Viktor Scholz die Orgelemporen, so daß die Besucher eindrucksvoll die unterschiedliche Wirkung der beiden Instrumente nachvollziehen konnten. Paul Theodor Grünbergers Vita im Programmheft ließ ahnen, daß der Priester und Organist seinerzeit eine umstrittene Persönlichkeit war, deren Orgelkompositionen sich aber einer großen Beliebtheit erfreuten. In schönen Gegenpolen und gewandt aufschwingenen Läufen servierte der Kirchenmusiker an der Woehl-Orgel gekonnt die Spannung zwischen dem sakralen Gehalt des “Praeludium zum Kyrie” mit den bereits säkularisierten Ausprägungen.
Als großen Kontrast entfaltete Scholz die Klangfülle aus Zanabonis “Fantasia di Improvisationi”. Virtuos spielte er dramatische Elemente und tonale Brüche aus, stellte den sich aufbäumenden Klangfiguren unversehens zurückhaltende, atmosphärische Momente gegenüber. Das Spiel mit leuchtenden, flirrenden, scheinbar abgerissenen und hell durchzuckten Klangfeldern im farbigen und souveränen Ausdruck
Schumanns vier Skizzen für Orgel überzeugten in ihrer knappen Ausprägung und heiteren Gestalt. Mit Callaerts “Toccata” entfaltete Viktor Scholz im großzügigen Gestus ein leuchtendes Finale. Doch für den Beifall des sichtlich beeindruckten Publikums dankte er gerne mit einer Zugabe.
Rheinische Post vom 12. April 2006.
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