Startseite » Presse » Fugen-Fantasie auf der Woehl-Orgel
Reinhold Richter am 7. September 2008:
von Heide Oehmen
VIERSEN Die drei großen Orgelwerke von Franz Liszt in einem Konzert zu spielen, ist eine Mammnutaufgabe. Das war auch Wolfram Goertz bewusst, als Kantor Reinhold Richter ihm von diesem Vorhaben erzählte. „Der muss verrückt sein“, war Goertz‘ erster Gedanke – der zweite: „Man muss ihm helfen“. Das tat der Musikredakteur der Rheinischen Post dann auch mit seiner kenntnisreichen, für jeden der in beachtlicher Zahl in die Viersener Remigiuskirche Gekommenen verständlichen und gut nachvollziehbaren Moderation. Nicht allzu viel Erklärungsbedarf bedurfte „Präludium und Fuge über B-A-C-H“. Hier erscheint – problemlos zu verfolgen – immer wieder das berühmte Thema, das neben dem Urheber Bach viele große Komponisten inspirierte. Richter spielte das klar und durchsichtig aufgebaute Werk, dessen Fuge eher eine Fugen-Fantasie ist, mit eleganter Virtuosität und spürbarer Freude an der reichen Register-Palette der Woehl-Orgel.
Düsterer muten dagegen die Variationen an, denen Franz Liszt den Basso continuo des ersten Satzes der Bach-Kantate Nr. 12 „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“, den der Thomaskantor später auch im „Crucifixus“ seiner h-Moll-Messe verwandte, zugrunde gelegt hat. Dieses Opus mit seinen stark kontrastierenden Variationen schrieb der österrechisch-deutsche Komponist zum Andenken an seine in jungen Jahren verstorbene Tochter Blandine. Ergreifend ist hier der abschließende Choral „Was Gott tut, das ist wohl getan.“
Die größte Herausforderung für den Interpreten und auch für das Auditorium war das fast dreißigminütige Kolossalgemälde „Fantasie über den Choral ,Ad nos, ad salutarem undam‘ aus der Oper ,Der Prophet‘ von. Giacomo Meyerbeer“, dem trotz eines imposanten Gesamteindrucks einige Längen nicht abzusprechen sind. Liszt, so führte Goertz aus, wollte hier den Orgelklang ins Sinfonische weiten und ein großes Orchester imitieren. Der an der Kirche St. Helena in Mönchengladbach-Rheindahlen wirkende Kantor überzeugte auch hier dank seiner blendenden Technik – nicht zuletzt in makellosen, rasanten Pedalpassagen – und seiner überlegenen, nie helktisch wirkenden Interpretationssicherheit. Lediglich im ersten Teil der Fantasie wäre eine abwechslungsreichere Registrierung wünschenswert gewesen. In den begeisterten Schlussbeifall hätte Richter gerne seinen Moderator mit einbezogen – doch der hielt sich bescheiden zurück.
Rheinische Post vom 9. September 2008.
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