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Zum "Messias" von Georg Friedrich Händel:
VIERSEN (oehm) Der „Messias“ von Händel gehört sicherlich zu den beliebtesten und am häufigsten aufgeführten Oratorien. Ebenso vielfältig (und manchmal wenig nachvollziehbar) sind die diversen Interpretationen. Eine besonders geglückte Wiedergabe gelang der Chorgemeinschaft „Cäcilia, St. Remigius“ – „Evangelische Kantorei Viersen“ im Verein mit dem „Sinfonischen Collegium Essen“ und ausgezeichneten Solisten in der lückenlos besetzten Remigiuskirche.
Der evangelische Kantor Daniel Plöhn und Remigius-Kantor Thorsten Konigorski hatten sich bei der Probenarbeit darauf verständigt, ihr Augenmerk auf dynamische Vielfalt, klare Artikulation, deutliche Deklamation und – selbst im Forte – größtmögliche Durchsichtigkeit zu legen. Die engagierten Choristen setzten diese intensiven Probemühen vorbildlich um und überzeugten sowohl in den jubilierenden als auch in den ernsten Chorsätzen.
Darüber hinaus verstanden sie es – bei untadeliger Intonation – das zahlenmäßige Ungleichgewicht zwischen Sopran und Alt einerseits sowie Tenor und Bass andererseits, geschickt auszugleichen. Aufmerksam folgten sie dem souveränen, motivierenden und sängerfreundlichen Dirigat Konigorskis. Ein Orchester, auf das sich alle blind verlassen konnten, ist das „Sinfonische Collegium“. Abgesehen von allzuviel Tonintensität der 1. Geigen an Fortestellen gefielen alle Instrumentengruppen bestens. Die einschmeichelnde „Pifa“, die Hirtenmusik, geriet unter den kundigen Händen der Streicher zum Juwel. Ein Sonderlob auch den trefflichen Trompeten. Daniel Plöhn an der Chororgel und Martin Hönig am Cembalo komplettierten das Instrumentarium.
Volker Mertens hatte durch seine fesselnde Interpretation die Sympathien der Zuhörer sofort auf seiner Seite. Seinem leuchtenden Bass-Bariton stehen vom lyrischen Piano bis zum fast martialischen Ausbruch alle Facetten zu Gebote. Nicht weniger überzeugte Walter Drees, der mit warm getöntem, ausdrucksstarkem Tenor ergreifend zu interpretieren wusste. Auch Louise Rijs, deren voluminöser Alt nicht immer ruhig geführt war, gewann durch ihre intensive Gestaltungskraft. Überdies beherrscht sie famos die barocke Verzierungstechnik.
Dem Vernehmen nach war Sopranistin Anja Dewey stark erkältet. Umso mehr ist ihre höhensichere und stimmtechnisch einwandfreie Leistung zu würdigen. Gewisse Interpretationsdefizite sind dann allemal zu entschuldigen. Nach mehr als zwei Stunden Aufführungszeit fragte man sich, wo denn die Zeit geblieben sei. Ein schöneres Kompliment ist den Akteuren kaum zu machen.
Rheinische Post vom 07. April 2009.
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