Startseite » Presse » Das Leiden in Töne gegossen
Improvisationskonzert am 01. März 2009:
VON HEIDE OEHMEN
Viersen Die 14 Stationen des Kreuzwegs Jesu waren die inhaltliche Vorgabe für ein Improvisationskonzert in der Kirche St. Remigius, bei dem sich der Kantor an St. Peter und Paul in Straelen, Otto M. Krämer, und der Dozent für Schlagwerk an der Universität Koblenz, Heinz-Gerd van dem Wyenbergh, als bestens aufeinander abgestimmtes Duo erwiesen. Auch mit der Problematik, dass aus Platzgründen der Schlagzeuger seinen Standort im linken Eingangs bereich der Kirche haben musste, wussten die Musiker geschickt umzugehen. Jede der 14 Stationen wurde mit wenigen, doch treffenden Worten vorgestellt – die ausgezeichnete Sprecherin blieb leider ungenannt. Krämer und van den Wyenbergh verstanden es, dem fühlbar ergriffenen Auditorium das Leiden Jesu ohne Effekthascherei nahe zu bringen.
Einige Beispiele: Schon die erste Station „Jesus wird zum Tode verurteilt“ fesselte durch zunächst diffuse Orgelklänge, die, nun im Verein mit dem Schlagzeug, sich mehr und mehr steigerten und so das Grauen in Töne gossen. Das dreimalige Fallen Jesu unter der Last des Kreuzes vermochten die Improvisatoren von Mal zu Mal Furcht erregender darzustellen, von dissonanten Akkordreihungen bis zu Clustern und unerbittlichen Paukensschlägen.
Weich getönte Orgelklänge, vom Xylophon sekundiert, begleiteten das Zusammentreffen des Gemarterten mit Veronika, die diesem das Schweißtuch reicht. Bei der Darstellung der 8. Station, der Begegnung Jesu mit den weinenden Frauen, reizte Krämer die hellen Registerfarben – zum dunklen Background des Beckens – fast bis zur Schmerzgrenze aus. „Jesus wird seiner Kleider beraubt“ inspirierte den Kantor zu einer eindrucksvollen Verfremdung des Chorals ,,0 Haupt voll Blut und Wunden“.
Die dröhnenden Hammerschläge, die die 11. Station ,,Jesus wird ans Kreuz geschlagen“ erschreckend versinnbildlichten, dürften niemanden unbeteiligt gelassen haben. Erst nach einer wohltuend langen Meditatioospause wagten die Zuhörer zu applaudieren.
Rheinische Post vom 03. März 2009.
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