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Remy Syrier am 23. Februar 2003:
Von HEIDE OEHMEN
VIERSEN. Remy Syrier – “ein Spezialist für Alte Musik”, wie Kantor Thorsten Konigorski in seiner Begrüßung betonte, war zu Gast beim ersten Orgelkonzert in St. Remigius Viersen. Der Niederländer studierte in Maastricht und Amsterdam Orgel und Cembalo, ist Organist an der Lutherischen Kirche in Maastricht und doziert im Hauptfach Cembalo am Konservatorium in Tilburg.
Syrier hatte vornehmlich Kompositionen ausgewählt, die die französische Orgelmusik von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zum ausgehenden 18. Jahrhundert repräsentieren . Den Abschluss bildete Johann Sebastian Bach, und am Beginn stand die “Messa della Madonna” des italienischen Orgelvirtuosen und Komponisten Girolamo Frescobaldi (1583 – 1643). Diese “Alternatim-Orgelmesse”, deren kurze Sequenzen eigentlich den Wechsel mit gregorianischen Gesängen verlangen, ist wie geschaffen für die fein intonierte Martin-Scholz-Orgel im Altarraum der Pfarrkirche, deren reiche Nuancen der Interpret mit perlendem Spiel zum Klingen brachte.
Doch dann war der Wechsel zur großen Orgel angesagt. Pierre Attaingnant (um 1530) mit seinen eigenwilligen “Gaillarden” der “Pavane” und dem “Chanson” verlangen nach ungewöhnlicher, zuweilen schnarrenden und nicht immer “schön” klingender Registrierung, für die die Woehl-Orgel ein schier unerschöpfliches Reservoir bereit hält. Auch Louis Marchands (1669 – 1732) umfangreiches “Premier livre d’Orgue”, dem Sonnenkönig Ludwig XIV gewidmet, lebt von abwechslungsreichen Klangfarben. Der Künstler bestach nicht nur durch beachtlichen Einfallsreichtum, sondern auch durch genaueste Artikulation und ein stets durchhörbares Spiel.
So gut wie nie zu hören und deshalb besonders willkommen: Ein Dialog für Oboe und Flöte von Jean Jacques Charpentier (1734 – 1794) eine Kostbarkeit, delikat serviert. In unerschütterlicher, zum Meditieren anregender Ausgeglichenheit widmete sich der holländische Musiker der Choralbearbeitung” Wir glauben all’ an einen Gott, Vater” BWV 740, der Bach Doppelpedal zugedacht hat. Mit Toccata, Adagio und Fuge C-Dur BWV 564, ebenfalls von Bach, zeigte Syrier staunenswerte Virtuosität. Allerdings war in der sehr rasch angegangenen Toccata das Tempo nicht immer konstant, so dass bei eiligen Passagen die letzte Klarheit fehlte.
Leider hatten sich viel zu wenig Orgelmusikfreunde auf den Weg in die Pfarrkirche St. Remigius gemacht. Ob mit einem abwechslungsreicheren Angebot – vielleicht einmal Orgel mit einem anderen Instrument oder Stimme – die verdienstvolle Reihe einem größeren Publikumskreis zu öffnen wäre?
Rheinische Post vom 26. Februar 2003.
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