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Dr. med. Stephan Hinkel am 05. Juni 2005:
Von HEIDE OEHMEN
VIERSEN. Wenn Medizin und Musik sich verbinden, ereignet sich zuweilen Erstaunliches. So geschehen beim Benefiz-Orgelkonzert in der gut gefüllten Remigiuskirche. Der Chefarzt der Kinderklinik des Allgemeinen Krankenhauses (AKH) Viersen, Dr med. Christoph Aring, stellte ein überaus förderungswürdiges Projekt vor: das “Kinderhaus Viersen”. Hier sollen künftig, so Aring in seiner informativen Einführung, mehrfach schwerstbehinderte Kinder betreut werden, vor allem solche, die auf Beatmungsmaschinen angewiesen sind. So kann durch Kurz- oder Langzeitpflege die Belastung des häuslichen Umfelds gemindert werden, und die Kinder erfahren eine ihren Fähigkeiten entsprechende optimale Förderung.
Der in Viersen praktizierende Arzt Dr. Stephan Hinkel, ein Schüler des legendären Düsseldorfer Kirchenmusikdirektors Clemens Ingenhoven und des Kantors der Düsseldorfer Altstadtkirche St. Lambertus, Heinz Terbuyken, stellte seine musikalischen Fähigkeiten mit einem Orgelkonzert in den Dienst der guten Sache. Das Publikum attestierte bewundernd, dass nicht etwa ein Hobby-Orgenist an der Woehl-Orgel saß, sondern ein Künstler mit beachtlichen technischen und interpretatorischen Qualitäten. Abgesehen von der einleitenden Toccata und Fuge d-Moll, BWV 656 von Johann Sebastian Bach, die nicht optimal zur französisch-romantischen Disposition passte, hatte der Interpret mit Charles-Marie Widor (1. und 2. Satz der 5. Orgel-Symphonie f-Moll), César Franck (Choral Nr. 2 h-Moll) und Louis Vierne (“Carillon de Westminster”) Kompositionen ausgewählt, die wie maßgeschneidert für die prachtvolle Orgel erschienen.
Stephan Hinkel überzeugte in allen Vorträgen mit fantasievoller Registerwahl, technischer Überlegenheit, sorgsam gewählten Tempi und stilsicherer Ausdeutung. Besonders faszinierend gelang “Carillon”, dessen Grundlage der berühmte viertönige Westminter-Gong ist. Die vom Komponisten auf frappierende Weise imitierten Schwingungsüberlagerungen des Glockenspiels wusste Hinkel plastisch und ohrenfällig zu vermitteln.
Die Besucher waren zu Recht begeistert und ruhten nicht, bis ihnen noch eine brillante Zugabe geschenkt wurde. Entsprechend motiviert spendeten sie den stolzen Betrag von 1361 Euro für das “Kinderhaus Viersen”.
Rheinische Post vom 08. Juni 2005.
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