Startseite » In Viersen lebt die Gregorianik
„Das Singen gregorianischer Choräle ist eines der Dinge, die mich am meisten befriedigen.“ Peter Schmitz sagt das nicht nur so, bei der Ausführung spiegelt sein Gesicht diesen inneren Zustand. Seit Jahrzehnten gehört er in Viersens katholischer Pfarre St. Remigius der Choralschola an, die seit 1960 besteht. Die Gregorianik und damit die Wurzeln der abendländischen Musik zu pflegen, erfordert spezielle Kenntnisse, Erfahrung und intensive Beschäftigung. Acht „gestandene Sänger“, wie der Kantor Thorsten Konigorski „seine“ traditionsbewussten Herren respektvoll nennt, proben wöchentlich und gestalten an jedem zweiten Wochenende eine Abendmesse mit „Ordinarium“ und „Proprium“. Lateinisch bezeichnet man die Teile der Messe und die dazu gehörigen Gregorianischen Choräle nach dem Aufbau des lateinischen Hochamtes, das an St. Remigius 1996 als allsonntägliche Form aus der Gottesdienstordnung verschwand. Damit kam die Frage auf, wie die Gregorianik in den normalen Gemeindegottesdienst zu integrieren sei.
An St. Remigius wurden die Kontroversen zwischen Modernisierern und Bewahrern in eine Form geführt, bei der gregorianischer Choral und Gemeindelied abwechseln. „Diese Lösung ist meinem Vorgänger Hans Wilhelm Hoff zu verdanken“, lobt Konigorski, der das Amt 1999 übernahm. Möglichst alle alten Gesänge will er mit der Choralschola in der Gemeinde lebendig halten. In seinem „Graduale Triplex“ stehen über der schwarzen Quadratnotation rote Strichelchen und Häkchen, „Neumen“, die detaillierte Informationen enthalten, wie diese alte liturgische Rhetorik zu singen ist. Konigorski gibt sie durch Erklärung, Vorsingen und zeichnende Handbewegungen an die Sänger weiter. Nach allen Regeln der Kunst gesungen, ist die Gregorianik „eine erregende, archaische Musik“, sagt er. Zwischen wissenschaftlich reiner Lehre und dem Realisierbaren sucht er einen Mittelweg. „Wir machen es suggestiv und praktisch.“ Das gelingt so gut, dass die Choralschola von St. Remigius sogar schon einige Male zu Auftritten an Traditionsorte wie Münsterschwarzach eingeladen wurde, berichtet Bernd Korischem (57) nicht ohne Stolz. Der Vorsitzende des Chores bedauert nur, dass es an Nachwuchs fehlt.
(Sabine Zeller in den „Niederrheinischen Blättern“, Mai 2007)
[Original als pdf-Datei (587KB) ]
veröffentlicht am 1. Mai 2007
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Die letzte an der Remigiusorgel entstandene CD ist ein Live-Mitschnitt des Konzerts mit Prof. Wolfgang Seifen mit Improvisationen über die Apsis-Gemälde des Viersener Künstlers Georg Ettl vom 16. Mai 2004. Zu beziehen ist die CD über das Pfarrbüro (E-Mail senden). Das Programm enthält:
Eine Übersicht mit weiteren Einspielungen auf der Remigiusorgel finden Sie auf der Pfarrhomepage von St. Remigius.
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